Die Teilnehmer des Einsatzes

Das ist bereits ihr wiederholter Besuch bei uns. Die Deutschen aus Meppen kommen, um Soldatenfriedhöfe aus dem Ersten Weltkrieg zu pflegen. Diesmal besuchten sie Rososz im Kreis Ostrów und Ponikiew Duża in der Gemeinde Goworowo.

Wir sind aus Meppen, der Partnerstadt Ostrołękas – sagt uns Karl-Ludwig Bode, der mit seinen Kameraden hierher schon seit fast 10 Jahren kommt.

Die Gäste aus Deutschland gehören einer Organisation an, deren Mitglieder Reservisten der Bundeswehr sind. Sie pflegen Gräber deutscher Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg – nicht nur in Polen, sondern auch in Kaliningrad oder in der Normandie. In der Umgebung von Ostrołęka, wo blutige Kämpfe stattfanden, gibt es ebenfalls viele solcher Friedhöfe.
Wir hatten davon im Zusammenhang mit der Partnerschaft unserer Städte erfahren – sagt Bode. Zum ersten Mal sind wir hierher im Jahre 2009 mit Vertretern der Kommunalbehörde von Meppen gekommen. Wir haben eine Vorerkundung gemacht und dann kamen wir bereits mit bestimmten Aufgaben wieder.

Das ist bereits der sechste Friedhof
Und sie kommen, 2010 angefangen, regelmäßig jedes zweite Jahr, um die Gräber der auf der Front gefallenen Soldaten, die im Kreis Ostrołęka (und nicht nur dort) verstreut sind, zu pflegen.
Das ist bereits der sechste Friedhof, dessen wir uns annehmen. Zuerst war Kamianka, dann Cisk und Nogawki, danach Czernie und Dzbądzek, und jetzt Rososz und dieser Ort – fügt Jürgen Bradler hinzu.
Mit “diesem Ort“ ist ein kleiner Friedhof in Ponikiew Duża gemeint. Eben während ihrer Arbeiten an diesem Ort haben wir unsere Gäste aus Deutschland besucht. Sie haben den hölzernen Zaun des Friedhofs gewechselt, das Gelände hergerichtet, die einzige erhalten gebliebene steinerne Grabtafel erneuert. Zum Schluss werden sie, ähnlich wie an den anderen Orten, ein Kreuz aufstellen und einsegnen.
Außer Kamianka (Gemeinde Rzekuń) und Rososz (Gemeinde Wąsewo im Kreis Ostrów) befinden sich alle Friedhöfe auf dem Gebiet der Gemeinde Goworowo. Auf Hilfe und Zuvorkommen der lokalen Behörde können die Deutschen immer angewiesen sein. Und nicht nur der Behörde.
Wir werden nicht nur von der lokalen Behörde freundlich unterstützt, sondern auch von Personen, die sich für Geschichte interessieren. Während dieses Besuches hat uns Doktor Zbigniew Tański aus Ostrołęka sehr geholfen und sich sehr engagiert. Unsere Dankesworte gehen auch an Priester Rafał Figiel, der speziell aus der Nähe von Stettin gekommen ist, um die neuen Kreuze auf dem Friedhof in Rososz einzusegnen – fügt Jürgen Bradler hinzu.

Damit das nie wieder passiert
Priester Figiel ist der ehemalige Vikar der Kirchengemeinde Wąsewo, der sich leidenschaftlich für Geschichte interessiert und dank dessen Bemühungen der Friedhof in Rososz vor einigen Jahren erneuert wurde: Er wurde eingezäunt und wiederhergerichtet. Die Gemeinde hatte zu diesem Zweck Gelder von der Selbstverwaltung Masowiens gewonnen. Die Gäste aus Meppen nehmen eine solche finanzielle Unterstützung nicht in Anspruch.
Die Kosten unserer früheren Fahrten und diejenigen, die mit den Arbeiten auf den Friedhöfen verbunden sind, haben wir selbst übernommen – sagt Karl-Ludwig Bode.
In diesem Jahr hat uns zum ersten Mal der Verband Deutsche Kriegsgräberfürsorge finanziell unterstützt. Wir haben auch Hilfe von der Bundeswehr erhalten: zwei Soldaten und zwei Fahrzeuge, mit denen wir unterwegs sind.
Diese zwei Soldaten sind die jüngsten Mitglieder der Delegation aus Deutschland. Die anderen sind schon…im fortgeschrittenen Alter. Sie betonen das, wenn wir fragen: Wozu machen Sie das eigentlich? Warum?
Wir gehören nicht der jüngsten Generation an – sagt Jürgen Bradler. Der älteste von uns ist 83 Jahre alt, ein anderer Kamerad ist 80, die meisten von uns sind über 70. Unter uns sind auch solche, die ihre Väter im Krieg verloren haben. Wir spüren das Bedürfnis, diese Gräber zu pflegen. Zur Erinnerung daran, was geschehen ist, und damit das nie wieder passiert. Es geht aber auch um eine Versöhnung über den Gräbern – sagt er.
Ein symbolischer Moment ist immer eine bescheidene Feier, die zum Abschluss der Arbeiten stattfindet. Und so war es auch dieses Mal – in Rososz und Ponikiew Duża. Die Delegation aus Deutschland und Vertreter der lokalen Behörde legen Blumenkränze nieder, die von den Deutschen aufgestellten Kreuze werden eingesegnet. Es gibt Zeit für kurze Reden und Gebet…
Sind die von ihnen ausgeführten Arbeiten nicht nur vorläufig? Werden diese Gedenkstätten von der lokalen Bevölkerung weiter gepflegt? Weiß sie überhaupt davon? Ist sie daran interessiert? Die Gäste aus Meppen können das feststellen: Jedes Mal, wenn sie hierherkommen, bemühen sie sich, die Orte wieder zu besuchen, die sie in den vorangegangenen Jahren gepflegt haben. Und sie bestätigen das:  - Ja, man kann beobachten, dass die Friedhöfe, die manchmal nicht erneuert, sondern geradezu rekonstruiert werden, von jemandem gepflegt werden. Obwohl ein Bedarf nach mehr besteht, wovon uns ein Einwohner von Ponikiew Duża erzählte, dessen Anwesen beinahe an den kleinen Friedhof grenzt. Er hört unserem Gespräch hinter dem Zaun seines Anwesens hervor zu, und dann fragt er: Sind Sie von der Zeitung? Wenn ja, dann schreiben Sie, dass hier ein Mülleimer aufgestellt werden sollte – sagt er.  – früher schaute hier eher keiner vorbei, aber seitdem an der Straße (es handelt sich um die Hauptstraße 60 – Anmerkung der Redaktion) das Schild aufgestellt wurde, dass sich hier ein Friedhof befindet, kommt ab und zu jemand vorbei. Sie schauen sich den Friedhof an, gehen auf und ab, ein Mülleimer wäre nötig – wiederholt er.

Sie halfen Dobrusia
Schon das, was er sagt, zeugt davon, dass Friedhöfe aus dem Ersten Weltkrieg, die sich bei uns in einer großen Anzahl befinden, wichtige historische Stätten sind. Sie sind es wohl wert, nicht nur von den Deutschen aus Meppen gepflegt zu werden.
Es muss noch hervorgehoben werden, dass sie nach Ostrołęka nicht mit leeren Händen gekommen sind.
Ich gestatte mir, davon zu erzählen, denn sie selbst werden sich aus Bescheidenheit bestimmt nicht rühmen – sagt Ewa Gałka, die als unsere Dolmetscherin fungiert. Und sie begleitet als solche die Gäste aus Meppen in unserer Stadt schon seit Jahren. Und sie kommt auch – mit Delegationen aus Ostrołęka – in die Partnerstadt Meppen als Gast.
Ich bin auch Mitglied des Kammerchores Ostrołęka. Während unseres letzten Besuches in Meppen gaben wir dort ein Konzert, während dessen Geld zu einem karitativen Zweck gesammelt wurde – sagt Ewa Gałka. – Auch die Herren Reservisten waren dort. Weil sie wussten, dass sie bald nach Ostrołęka kommen würden, baten sie uns, eine hilfsbedürftige Person zu benennen, um für diese Person eine Geldspende in ihrem eigenen Kreis organisieren zu können. Und so ist es auch geschehen. Das von ihnen gesammelte Geld wird den Eltern von Dobrusia Napiórkowska (die an Arthrogryposis multiplex congenita krank ist - wir haben über sie viele Male in der Tygodnik Ostrołęcki berichtet) aus Ostrołęka überreicht werden. Wir haben jetzt ein Treffen organisiert, Dobrusia und ihre Eltern haben die deutschen Gäste in Kamianka besucht, das Geld wurde überreicht. 500 Euro werden bei der weiteren ärztlichen Behandlung des Mädchens helfen – berichtet Ewa Gałka.
Und die Gäste aus Meppen stellen sich schon für ein Erinnerungsfoto auf dem Friedhof in Ponikiew Duża auf. Sie werden in zwei Jahren wiederkommen, wenn dies nur möglich sein wird.

Quelle/Foto: Tygodnik Ostrołęcki vom 24. Juli 2018